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Start des Pflichtfachs Informatik in Hamburg

In einer Antwort des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg auf eine große Anfrage der Partei „Die Linke“ vom 10.11.2025 (Drucksache 23/2043) wurden erstmals ausführliche Daten zur strukturellen Situation des Informatikunterrichts in Hamburg veröffentlicht. Die Fachgruppe für informatische Bildung in Schleswig-Holstein und Hamburg (SH-HILL) hat sich diese Daten einmal genauer angeschaut.

Zum Schuljahr 2025/26 startete in Hamburg das Pflichtfach Informatik. Für die Schülerinnen und Schüler sollte sich die Gesamtzahl ihrer Schulstunden nicht ändern. Die vier Wochenstunden Informatik sollten die Schulen so in ihre Stundentafeln integrieren, dass der Wahlpflichtunterricht um zwei Wochenstunden gekürzt und die restlichen zwei Wochenstunden dem Pool der Stunden entnommen wird, der den Schulen für eigene Schwerpunktsetzungen zur Verfügung steht. Die vier Wochenstunden Informatik waren dann sowohl in den Stadtteilschulen als auch in den Gymnasien auf die Jahrgangsstufen 7 bis 10 zu verteilen.

 

In den 53 Stadtteilschulen, die im November der Schulbehörde ihre Zahlen übermittelt haben, wurden die folgenden Verteilungen gewählt:

WoStd.ges.

0

1,7

 

2

2

2

2

 

4

4

4

4

4

4

4

4

4

  

4

4

4

  

6

  

Jahrgang

                           

7

0

0,7

 

2

0

0

0

 

2

0

0

2

0

2

2

2

0

  

0

1

1

  

1

  

8

0

1

 

0

2

0

1

 

2

2

0

0

2

0

1

0

2,7

  

1

0

1

  

1

  

9

0

0

 

0

0

2

1

 

0

2

2

0

0

2

0

1

0

  

1

2

1

  

2

  

10

0

0

 

0

0

0

0

 

0

0

2

2

2

0

1

1

1,3

  

2

1

1

  

2

  

Anz. Schulen

3

1

 

4

3

0

1

 

10

7

3

5

5

3

2

1

1

  

1

1

1

  

1

 

53

 

Die 61 Gymnasien wählten die folgenden Verteilungen:

WoStd.ges.

   

2

2

2

  

4

4

4

4

4

4

   

4

4

   

6

6

   

Jahrgang

                           

7

   

2

0

0

  

2

0

0

2

0

2

   

1

1

   

2

0

   

8

   

0

2

0

  

2

2

0

0

2

0

   

1

1

   

2

2

   

9

   

0

0

2

  

0

2

2

0

0

2

   

2

0

   

2

2

   

10

   

0

0

0

  

0

0

2

2

2

0

   

0

2

   

0

2

   

Anz. Schulen

   

1

2

1

  

15

13

5

5

5

7

   

2

1

   

2

2

  

61

 

Die Schulen konnten ferner entscheiden, mit wie vielen Wochenstunden das Pflichtfach Informatik (ungleich 0) und in welchen Jahrgangsstufen der Informatikunterricht im Schuljahr 2025/26 beginnen sollte.

 

Pflichtfach Informatik an Stadtteilschulen 2025/26

WoStd. PF

0

< 2

2

> 2 / < 4

4

> 4

Anz. Schulen

3

0

15

6

28

1

 

Pflichtfach Informatik an Gymnasien 2025/26

WoStd. PF

0

< 2

2

> 2 / < 4

4

> 4

Anz. Schulen

0

0

28

0

30

3

 

Im Zusammenhang mit der Diskussion darüber, ob in Hamburg ein Pflichtfach Informatik eingeführt werden sollte, äußerten verschiedene Interessengruppierungen die Sorge, dass die Einführung auf Kosten bestimmter, aus ihrer Sicht wichtigerer, anderer Fächer gehen würde. Es zeigte sich, dass die Schulen vor allem im Wahlpflichtbereich gekürzt haben, und dabei auch (oder vor allem?) das Wahlpflichtfach Informatik zu leiden hatte.

Der Umfang der Reduzierung des Wahlpflichtunterrichts in Hamburg geht aus der Antwort zu Frage 4 der großen Anfrage hervor: Während im vergangenen Schuljahr noch 26,43 VZÄ Vollzeitäquiva­lente (Anzahl der mit voller Arbeitszeit arbeitenden Lehrkräfte) Wahlpflichtunterricht Informatik erteilten, waren dies jetzt nur noch 8,14 VZÄ, an den Schulen wurde also ca. 70 % des Wahlpflichtunterrichts Informatik gestrichen. Jetzt bieten 18 Stadtteilschulen und 11 Gymnasien gar keinen Wahlpflichtunterricht im Fach Informatik mehr an.

Eine wichtige Voraussetzung für erfolgreichen Informatikunterricht ist die Versorgung der Schulen mit fachlich und fachdidaktisch qualifizierten Lehrkräften.

Die 53 Stadtteilschulen, die ihre Daten für die Beantwortung einer großen parlamentarischen Anfrage an die Schulbehörde übermittelten, meldeten insgesamt 215 Lehrkräfte, die derzeit an ihren Schulen das Fach Informatik unterrichten, die 61 Gymnasien meldeten 270, die Sonderschulen und regionalen Beratungszentren 64 Informatiklehrkräfte.

 

Anzahl Lehrkräfte

mit Lehramts-studium Informatik

Quereinstei­ger ohne Vorberei­tungs­dienst

Quereinstei­ger mit Vorberei­tungs­dienst

Lehrkräfte mit LI-Qualifikation

Sonstige

Stadtteilschulen

215

63

9

5

130

61

 

 

29,30 %

4,19 %

2,33 %

60,47 %

28,37 %

Gymnasien

270

95

11

16

137

25

 

 

35,19 %

4,07 %

5,93 %

50,74 %

9,26 %

Sonderschulen und ReBBZ

64

0

0

0

6

58

 

 

0,00 %

0,00 %

0,00 %

9,38 %

90,63 %

gesamt

549

158

20

21

273

144

 

Die Gesamtsumme der Lehrkräfte soll nach dem Fließtext der Senatsantwort auf Frage 1 der großen Anfrage insgesamt 610 betragen, davon 158 mit Lehramtsstudium, 43 Quereinsteiger/innen aus IT-Berufen und 273 im Landesinstitut für Qualifizierung und Qualitätsentwicklung in Schulen (LI) qualifizierte und 136 Sonstige. Die Gesamtsumme von 610 stimmt jedoch nicht mit den Summen der Angaben der Schulen für die Teilgruppen überein. Einige Schulen verfügen offensichtlich über Lehrpersonen, auf die mehrere der in den Spaltenüberschriften genannten Eigenschaften zutreffen, beispielsweise grundständig studierte Lehrkräfte, die außerdem an einer LI-Qualifikationsmaßnahme für das Pflichtfach teilgenommen haben. Von der unbekannten Gesamtzahl der qualifizierten Lehrpersonen sind 197 weiblich.

Die Qualifikationsmaßnahmen des Landesinstituts zur Vorbereitung von Lehrkräften auf das Pflichtfach Informatik umfassten insgesamt 120 Zeitstunden Präsenz oder Online-Fortbildung, verteilt auf zwei Schuljahre. Die Veranstaltungen fanden nach dem Unterricht jeweils von 16 Uhr bis 19 Uhr statt. Die Teilnahme (inkl. Auftaktveranstaltung und häuslicher Vor-/Nachbereitung) ist in vollem Umfang auf die Arbeitszeit anrechenbar. Die Schulen entscheiden über die WAZ zur Entlastung der Teilnehmenden. Berichte von Teilnehmenden zeigen immer wieder, dass bei den WAZ-Berechnungen lediglich die reine Veranstaltungszeit berücksichtigt wird. (Quelle: Landesinstitut für Qualifizierung und Qualitätsentwicklung in Schulen).

In Schleswig-Holstein umfassen die entsprechenden Weiterbildungsmaßnahmen drei Schulhalbjahre mit wöchentlich einer ganztägigen Veranstaltung. Die Teilnehmenden erhalten über die 1,5 Schuljahre eine Entlastung von ihrer Unterrichtsverpflichtung im Umfang von 5 Wochenstunden. (Quellen: Fachportalaktuelle Ausschreibung).

Die Themenbereiche der Hamburger Qualifikationsmaßnahme für das Pflichtfach Informatik folgt im aktuellen Durchgang den Inhaltsmodulen des Fachrahmenplans:

Qualifizierungsjahr 1

Modul 1: Einführung in die Informatik

Modul 2: Blockbasierte Programmierung

Modul 3: Codierung und Verschlüsselung Teil 1 (Wahlthema)

Modul 4: Rechnernetze (Filius)

Modul 5: Codierung und Verschlüsselung Teil 2 (Wahlthema)

Modul 6: Künstliche Intelligenz

Qualifizierungsjahr 2

Modul 1: Textbasierte Programmierung

Modul 2: Vertiefung der textbasierten Programmierung

Modul 3: Darstellung von Daten und Informationen (Wahlthema)

Modul 4: Relationale Datenbanken als Beispiel für Datenbanksysteme

Der verbindlichen Einführung des Pflichtfaches Informatik im Schuljahr 2025/26 ging eine einjährige Pilotierung mit 6 Gymnasien und einer Stadtteilschulen voraus. Ein Bericht liegt noch nicht vor.

Im Laufe des Schuljahres 2024/25 wurden „Umsetzungshilfen zu allen Inhalten des Fachrahmenplans Informatik“ erstellt. Zugriff haben Hamburger Lehrkräfte über das Lernmanagementsystem der Schulbehörde.